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Inhaltsübersicht

Tag 1 — Aufstieg

6.00 Uhr Abfahrt nach Süden über Basel nach Grindelwald. Das Wetter ist für eine Fahrt viel zu schön, das brauchen wir dann erst in den Bergen so.

Nachdem wir unser Auto auf dem Parkplatz direkt gegenüber des Bahnhofes Grund in Grindelwald abgestellt und uns unsere Bergsteigeruniform angezogen hatten, alles nötige Gepäck in den Rucksäcken verstaut war, fuhren wir 16.00 Uhr mit der Wengeralpbahn vorbei an der mächtigen Eiger Nordwand zum Umsteigebahnhof kleine Scheidegg.

Der kurze Zwischenstopp lud zu einem kleinen Foto Shooting ein. Weiter fuhren wir mit der Jungfraujochbahn über die Stationen Eigergletscher, Eigerwand, Eismeer, zum Bahnhof Jungfraujoch auf 3454m.

Die Ausblicke durch die Fensterscheiben der Station Eigerwand sind atemberaubend, ziemlich steil fällt die Wand unter dem Fenster ab.

Aus den Fenstern des Eismeeres kann man wunderbar den Aufstiegsweg zur Mittellegihütte verfolgen. Die Hütte selbst thront oben auf dem Mittellegigrat wie ein Adlerhorst. Rechts das Eismeer.

Oben am Jungfraujoch angekommen, genießen wir erst einmal kurz den Blick aus dem Fenster auf den Aletschgletscher. Dann folgt der Weg durch den Tunnel zum Stollenloch, dem Ausstieg ins Freie.

Von hier führt ein, jeden Tag mit dem Pistenbulli, präparierter Weg etwa 200m hoch zur Mönchsjochhütte.

Sie ist nach einer Stunde erreicht. Das Wetter ist einfach fantastisch. Das Essen ist gut und reichlich, die Getränke teuer.

Wir bekommen hier ein winziges Zimmer mit 10 Schlafplätzen, welche alle belegt sind. So kann man sich nachts nur gemeinsam auf die andere Seite legen, damit die Körperkrümmungen ineinander passen. An Schlaf ist sowieso nicht zu denken. Wie üblich friert irgendjemand, so bleibt das Fenster nur angekippt. Bei gefühlten 30°C und einem Sauerstoffgehalt nahe Null lässt es sich selbst mit Ohropax und einer Aspirin nicht schlafen. Der Eine schnarcht, die Schnappatmer drohen zu ersticken.Ich muss dauernd trinken und aufs Klo, so kann ich es kaum erwarten, endlich 4.30 Uhr aufzustehen.

Tag 2 — Mönch (4107 m) Südwestgrat

4.30 hat das Warten ein Ende, denn 5.00 Uhr ist Frühstück für die "Mönche", die "Jungfrauen" sind da gerade weg.

Wir kommen erst 7.20 Uhr von der Mönchsjochhütte los, wollen den Mönch heute als Überschreitung vom Süd - Westgrat aus gehen. Erst geht es den Pistenweg Richtung Jungfraujoch, dann heißt es anseilen und den Gletscher Richtung Einstieg zum Grat queren.

Hier kommt zuerst ein kurzer steiler Firnhang, bevor man die Felsen erreicht. Wolfahrt lässt einen HMS Karabiner aus der Hand gleiten, wir können nur noch hinterher schauen, wie er den Hang hinunter segelt. Ihn jetzt wieder hoch zu holen, würde uns bestimmt eine ¾ Stunde kosten. Wir einigen uns, ihn nach unserer Tour am Nachmittag zu suchen.

Nach leichter Kletterei im Einstieg erreichen wir den Steilaufschwung. Eine 3 er Kletterstelle, bei der es links einige hundert Meter bergab geht, rechts ist es nicht ganz so viel, aber ausreichend, um …

Da wir mit Stefan einen ausgezeichneten Kletterer in unseren Reihen haben, beantwortet sich die Frage nach dem Vorsteiger von selbst. Mit Hilfe einiger selbst gelegter Zwischensicherungen erreicht er nach ca. 40 m einen bereits mit mehreren alten Bandschlingen eingerichteten Standplatz, von wo aus er uns nachsichert.

Weiter geht es in loser Blockkletterei über brüchigen Fels und am Schneefeld rechts vorbei, darüber nach links querend auf das steile Firnfeld (nur einige Zentimeter Firnauflage, darunter Blankeis). Stephan setzt 4 Eisschrauben, wir gehen am laufenden Seil und erreichen bald den Eisgrat, welcher uns zum Gipfel führt.

Noch vor erreichen des Gipfels machen wir eine ausgiebige Pause in der Sonne. Die kleine Scheidegg, die Station Eigergletscher, die Aussicht auf Jungfrau, die Sphinx, oder Interlaken ist hervorragend. Am Normalweg hätten wir bestimmt keine solche Ruhe mehr.

11.40 Uhr erreichen wir den Gipfel, machen nochmals 45 min Pause, da zu unserer Überraschung kaum jemand oben ist. Von hier hat man einen wunderbaren Blick über die Mittellegihütte, den Mittellegigrat auf den Eiger, den Südwestgrat als Abstiegsweg, über die Eigerjöcher.

Der Schnee ist in der Sonne mittlerweile ziemlich sulzig geworden. Als der Firngrat auf dem Normalweg von der Gegenrichtung her frei ist machen auch wir uns auf den Weg zum Abstieg. Da ist volle Konzentration angesagt, denn zum festhalten ist nichts da, also keinen Fehltritt machen. An den Felsen angekommen erwartet uns eine Eisenstange zum Sichern, in nicht allzu schwieriger Kletterei geht’s abwärts bis zum nächsten kurzen aber steilen Firngrat. Hier gehen wir rückwärts hinunter, da die dünne Schneeauflage nur noch Matsch ist.

Der weitere Abstiegsweg wird nach unten hin immer leichter, immer mal wieder steht eine Eisenstange zum Sichern. Als wir das letzte Gehgelände im Fels hinter uns hatten, erreichten wir 14.00 Uhr unweit der Mönchsjochhütte wieder die planierte Piste. Detlev und ich genossen die Sonne, Stephan ist mit Wolfahrt los, den Karabiner suchen. Auch nach 2 Stunden intensiver Suche war die Stecknadel im Heuhaufen nicht mehr zu finden.

19.00 gab es ein sehr reichliches und wohlschmeckendes Abendessen. Draußen fing es an zu schneien, das ließ für den morgigen Tag keine große Tour auf einen Viertausender mit Gratkletterei zu, zumal die Wetterprognose immer wieder leichten Schneefall vorhersagte. Also war ausschlafen angesagt. Diese Nacht klemmten wir einen Schuh in die Tür, so war das Schlafklima erträglich und wir haben gut geschlafen.

Tag 3 — Walcherhorn (3692 m)

Als wir nach dem Frühstück immer noch nicht wussten, wohin wir gehen sollten, schlug uns die Hüttenwirtin das Walcherhorn vor. Wir wären da in gut 4 Stunden wieder zurück. 8.45 Uhr brechen wir dann bei stark bewölktem Wetter über das Ewigschneefeld abwärts (bis 3450m) Richtung Walcherhorn auf. Ein kurzes Wolkenloch lässt uns noch einmal einen Blick zurück auf den Mönch werfen.

Über den Süd- Westgrat steigen wir das Firnfeld bis zum Gipfel empor, wo uns nur Nebel erwartet. Nach kurzer Gipfelrast ging es den selben Weg wieder zurück zur Mönchsjochhütte. Bei dichtem Schneetreiben, keiner Sicht und Sulzschnee waren wir froh, unsere Spuren wieder zu finden, sonst wäre eine Orientierung ohne GPS auf dem fast ebenen, schneebedeckten Gletscher kaum möglich gewesen. Zwei mal sackte der Schnee neben uns in sich zusammen. Man sah nichts, hörte aber umso mehr. Bei der ansonsten Totenstille ließ uns dieses plötzliche Krachen den Schreck in die Glieder fahren. 13.00 Uhr waren wir dann froh, unsere Schuhe auf der Mönchsjochhütte wieder ausziehen zu können. Den Nachmittag verbrachten wir auf der Hütte mit Auffüllen unserer Körperflüssigkeit in Form von Bier.

Gegen Abend besserte sich das Wetter und die Sonne kam sogar heraus. Für morgen war ein Sonnentag angesagt. Zum Abendessen gab es wieder das Gericht von Vorgestern. Wahrscheinlich übernachtet hier keiner länger als 2 Tage, da fällt es nicht auf, dass es nur 2 Gerichte im Wechsel gibt.

Tag 4 — Jungfrau (4158 m)

3.45 Uhr wecken, 4.00.Uhr Frühstück für die „Jungfrauen“ und die „Fiescherhörner“. 5.00 Uhr setzt sich die Schlange aus Glühwürmchen mit ihren Stirnlampen auf der Piste Richtung Jungfraujoch bei Sternenklarem Himmel in Bewegung. Heute ist der Schnee unter den Füßen wenigstens gefroren, das erleichtert das Vorankommen ungemein. An der Sphinx heißt es anseilen, es geht durch eine Senke über den Jungfraufirn bis fast zu den Felsen, welche am Anfang umklettert werden.

Wir richten hier, wie viele Andere auch, ein Rucksackdepot ein. Alles Unnötige bleibt in Detlev seinem Rucksack hier, an den Wanderstöcken gesichert. Zuerst ist eine etwa 20m lange Spur in ca. 60° steilem Eis zu begehen. Nicht ganz ohne, denn ein Sturz hier würde unweigerlich im Bergschrund enden.

Am Regenmesser angekommen, legen wir unsere Steigeisen ab. Den steilen Felsaufschwung steigt Stephan wieder vor und sichert uns vom mit 2 Klemmkeilen fest eingerichteten Standplatz nach. Dann geht die Sonne auf.

Die in der Dämmerung noch mit Reif überzogenen Felsen hatten wir um 7.00 Uhr durchstiegen und den Platz zum Anlegen der Steigeisen erreicht.

Die gesamte Tour lang bot sich ein herrliches Panorama ringsum, ob beim Sonnenaufgang oder später im gleißenden Sonnenlicht. Am Firngrat empor, unter den bedrohlich überhängenden Wächten des Rottalhorns entlang, den Hang auf einer schmalen Spur querend, ging es stetig hoch zum Rottalsattel.

Manche Abschnitte mussten wir im Eiltempo gehen, da die Wächten immer wieder mit Eisbrocken warfen. Am Rottalsattel machten wir noch eine Pause, bevor es zum Gipfelanstieg ging. Über den Bergschrund, die Spur in der steilen Ostflanke des Sattels bis zur Lücke in der Wächte, dann auf die Westseite des Sattels.

Wir gingen am laufenden Seil, Stephan setzte vorne 2 Eisschrauben, die der letzte wieder einsammelte.

Bei der Querung des Rottalsattels auf der Westseite fanden wir eine sehr gute Spur der vor uns laufenden ca. 10 Seilschaften vor. Im Eis steckte noch zusätzlich eine Eisenstange, um die man das Seil laufen ließ, ohne extra zu sichern.

Am Felsrand angekommen sicherten wir von Stange zu Stange, welche etwa 40m auseinander stehen. Gestiegen wurde auf dem ca.50° steilen Firnrand, griffiges Eis mit dünner Schneeauflage. Nach der letzten Stange geht es nur noch über nicht ganz so steilen Firn zum Gipfel.

Die letzten Meter auf dem Gipfelplateau in Mischgelände. 10.20 Uhr erreichen wir bei Bilderbuchwetter den Jungfraugipfel in 4158m. Die 30 Bergsteiger bleiben Gott sei Dank nicht allzu lange auf dem Gipfel, so dass wir relativ ungestört eine Dreiviertelstunde Gipfelrast machen können.

Nach kurzer Brotzeit ein Fotoshooting mit tollem Blick auf die Sphinx. Vor genau einem Jahr haben Detlev und ich bei eben solchem Wetter auf der Zumsteinspitze und Signalkuppe gestanden und die Berner Alpen mit Mönch, Jungfrau, Finsteraarhorn, Aletschgletscher…betrachtet. Heute blicken wir bei ähnlichen Bedingungen zur Monte Rosa, dem Dom und dem Weißhorn. Ein irres Gefühl, bei solchem Wetter hier oben zu sein.

Der Abstieg erfolgte dann wieder auf dem Aufstiegsweg, nur war die Spur jetzt sulzig ohne Ende. Selbst unterhalb des Rottalsattels hätten wir jetzt keine Pause mehr machen wollen, laufend rieselten von oben Eisbrocken. Weiter unten brachen wir immer wieder 40 cm tief ein und wankten wie betrunkene den Felsen entgegen. Die waren jetzt trocken, ohne Steigeisen ein Kinderspiel.

Dann noch die Abseilstelle hinunter zum Regenmesser. Mit einer Eisschraube noch mal gesichert über das steile Stückchen Firnhang zum Rucksackdepot. Dieses erreichten wir nach den vielen Sonnenpausen gegen 13.45 Uhr fast als letzte vom Berg. Glücklich über diesen Gipfel bei diesem Wetter schlenderten wir in sulzigem Schnee den Jungfraufirn hinunter.

Die Rinnsale waren jetzt gut mit Wasser gefüllt und waren nur noch zu überspringen. Später ging es auf Blankeis mit Rinnsalen oder Flüssen zum Konkordiaplatz. Wir versuchten uns, den Weg, markante Punkte oder Brüche genau einzuprägen, damit wir bei einem eventuellen Aufstieg das Jungfraujoch wieder erreichen. Nach dem Überspringen eines Gletscherflusses zog sich das ebene Blankeis am Konkordiaplatz schier endlos hin, die Konkordiahütte, heute 150m über dem zurückgegangenen Gletscher, war schon lange sichtbar.

Vom Geröll der Seitenmoräne kommt man über eine Leiter auf den Treppensteig, welcher momentan die 120m Höhe mit 430 Stufen überbrückt. Die Treppe muss halt immer wieder unten verlängert werden, bei der Bauart kein Problem. Zeitgleich mit uns kamen Chris und Victor am Treppeneinstieg an. Wolfarth hatte sich telefonisch mit ihnen hier verabredet, sie wollten den Aletschgletscher von unten hoch laufen, um mit uns die nächsten Tage im Eis zu verbringen. Die Treppenstufen brachten uns bei der hier unten herrschenden Wärme (8° im Schatten) noch mal ganz schön ins Schwitzen.

Wir bekamen hier zu sechst ein 10 Mann Zimmer, die Toiletten waren sauber, die Hüttenschuhe sehr Hygienisch aus Gummi, Das Essen gewöhnungsbedürftig und die Getränke noch teurer als auf der Mönchsjochhütte. Das Heißbegehrteste Thema hier war der Wetterbericht für die nächsten Tage. Wir wollten über das Gross Grünhorn 4044m zur Finsteraarhornhütte, dann zum Finsteraarhorn 4274m, über das Grosse Fiescherhorn 4049m zurück zur Mönchsjochhütte. Dazu hätten wir beste Bedingungen gebraucht. Die Prognose war vernichtend. Noch einen halben Tag kein Regen, dann Dauerregen die nächsten Tage. Wir hofften von Tag zu Tag. Vielleicht würde sich ja morgen noch etwas daran ändern.

Tag 5 — Grünegghorn (3787 m)

5.00 Uhr frühstücken wir zwar, kommen aber erst 6.45 Uhr von der Hütte weg. Die Bergführer vom Summit Club, welche die gleiche Runde wie wir machen wollten, nahmen heute nur das Grünegghorn in Angriff, die zusätzlichen 3 Stunden Gratkletterei zum Gross Grünhorn währen dann schon in den Nachmittag gefallen, wo es regnen und gewittern sollte. Von der Hütte ging es erst mal wieder die 150m die Treppe runter aufs Eis.

Den unteren Spaltenfreien Grüneggfirn gehen wir 6 ohne Seil und ohne Steigeisen. Als dann der zugeschneite Gletscher beginnt legen wir Seil und Steigeisen an, Detlev, Wolfahrt und ich bilden eine Seilschaft, Stephan, Victor und Chris die Andere.

Der obere Teil des Grüneggfirns sieht aus wie die Terrassen in San Francisco, oder wie eine riesige Buckelpiste. Wir orientierten uns beim Weg durch dieses Spaltenlabyrinth an den Spuren der Bergführerseilschaften vor uns auf den Schneeresten, welche teils den Gletscher bedeckten. So ging es am kurzen Seil im Zickzack über 30° steiles Blankeis, Firn oder Schnee, mal über Spalten, mal an riesigen ausgelaufenen Gletscherseen vorbei.

Bei ca. 3500m steigt man über den Bergschrund, den Firnhang hoch durch die Wächte auf die Nord-Westseite des Gipfelgrates vom Grünegghorn. Dieser Gletscher fließt unten ins Ewigschneefeld. Den Steilen Hang (Eis mit 3 cm Schneeauflage) gingen wir bis etwa 3800m. Dort endet der Gletscher und der Felsgrat zum Grünegghorn (mindestens eine Stunde) beginnt.

Der uns von dort entgegenkommende Bergführer warnte uns noch einmal. Telefonisch hat er den neuesten Wetterbericht gehört, demnach soll es spätestens in einer Stunde hier regnen und gewittern. Wir brechen sofort auf und machen uns mit 3 weiteren Seilschaften auf zum Abstieg. Den ganzen Tag schon ist es sehr trübe und bedrohlich bewölkt.

Wir kommen recht zügig voran, am kurzen Seil bereitet uns das vorwärts gehen auf dem 30° steilen Blankeis keine Probleme. Den unbedeutenden Gipfel des Grünegghorns haben wir zwar nicht erreicht, was wir aber in Anbetracht der schlechten Sicht, des drohenden Gewitters und des herrlichen 1000m hohen Gletscheranstieges leicht verschmerzen konnten.

Unten, auf dem unteren flachen blanken Grünegggletscher angekommen regnete es noch immer nicht. Stephan, Victor, Chris und Wolfahrt übten an einer offenen Spalte noch Eisklettern und Spaltenbergung. Detlev und ich gingen, jetzt seilfrei über den blanken spaltenfreien Grüneggfirn, der an vielen Stellen fast gänzlich mit Schutt bedeckt ist.

Als wir wieder oben auf der Konkordiahütte waren kam das übliche Prozedere: Umziehen, Toilette, Trinken, Trinken, Wetterbericht!! Nun war es so weit. die anderen vier waren auch eingetroffen und es begann unaufhörlich zu regnen. Jetzt war der Punkt gekommen, unsere Tour abzubrechen. Die einzige Frage, die sich stellte war, steigen wir mit Victor, Chris und den Bergführerseilschaften über den Aletschgletscher nach Fiesch ab und fahren wie die Bergführer mit dem Zug nach Grindelwald zurück oder steigen wir über den Konkordiaplatz und den Jungfraufirn wieder zum Jungfraujoch auf, um mit der Jungfraujochbahn nach Grindelwald zurück zu fahren. Ohne GPS prophezeite uns ein Bergführer, der Seilerste könne sich schon mal auf mindestens 6 Spaltenstürze einstellen. Sie meinten, viel zu gefährlich ohne GPS. Unser Plus beim Aufstieg währe, wir sind den Weg erst Gesten gegangen und haben uns so allerhand eingeprägt. Ein weiterer Vorteil sollte sein, dass es bis zum Jungfraujoch hoch regnen soll, also die Spalten nicht neu zugeschneit sind.

Tag 6 — Abstieg

Es hatte die ganze Nacht hindurch geregnet bei ca. 5°. Wir entschließen uns zum Aufstieg, trotz widrigster Bedingungen. Chris und Victor steigen den Aletschgletscher wieder ab um zu ihrem Auto zu kommen.

Fast zeitgleich mit uns, 9.00 Uhr bricht noch eine Seilschaft aus Holland zum Jungfraujoch auf. Bei leichtem Dauerregen, tief liegenden Wolken, seilfrei aber mit Steigeisen kamen wir sehr zügig voran. Die Holländer überholten wir rasch und sahen sie danach nicht wieder. Etwas rechts haltend über die erste Moräne des Grüneggfirns, dann über die nächste des Ewigschneefeldes, über den Bach, leicht nach links zur Senke, die großen Spalten auf der rechten Seite liegen lassen. bald waren wir in dichtem Nebel doch etwas zu weit rechts. Etwa 100m lange Spalten, 40m tief und über 5 m breit. Wir umlaufen 2 davon links, dann queren wir mehr nach links in die Senke. Stephan als leichtester muss vor, wir gehen hier schon längst am Seil, denn die Schneebedeckten Flächen werden mehr. Hält eine Schneebrücke ihn, dann hoffentlich auch mich als Seilletzten noch. Nach einem kurzen Verhauer wieder nach rechts, wo es entschieden zu steil wurde, querten wir immer auf gleicher Höhe nach links, bis wir die Spur zur Sphinx erreichten. Jetzt ging der Regen langsam in Schnee über, die Spuren waren aber trotz jetzt 15cm Neuschnee noch zu erkennen. Immer den Spuren nach, im Nebel hörten wir langsam das Geräusch der Seilbahn und der Menschen am Jungfraujoch. Plötzlich im Nebel die vertraute Pistenspur unter unseren Füßen, das Stollenloch war fast erreicht.

Völlig durchnässt, von innen durchgeschwitzt haben wir in drei Stunden und 45 Minuten ohne Pause, ohne Sturz und mit guter Orientierung aus dem Bauch heraus das Jungfraujoch erreicht. Stephan hat die ganze Zeit gespurt, so konnten wir drei „Oldies“ so halbwegs am Seil hinterher hecheln.

Vor dem Souvenierstand in der Station Jungfraujoch entledigten wir uns an einem Bistrotisch unserer nassen Sachen, welche wir bei der Bahnfahrt nicht mehr brauchten, aßen unsere übrig gebliebenen Lebensmittel und ordneten unser Hab und Gut. Die Japaner sahen uns Dreckspatzen verwundert an.

Mit der Jungfraujochbahn ging es dann wieder nach Grindelwald zum Auto und dann nach Hause.

Leider mussten wir wegen des schlechten Wetters unsere Tour hier beenden, bei dem weiterhin angesagten schlechten Wetter wäre kein größerer Gipfel mehr zu verantworten gewesen. Mit der Mönchsüberschreitung bei passablen Bedingungen, der Jungfrau bei Traumwetter, dem Walcherhorn als Notlösung bei Schlechtwetter, dem Grünegghorn als herrliche Eistour ohne Gipfel und der Gletscherbegehung des Jungfraufirn in beide Richtungen haben wir doch sehr schöne Touren im Eis unternommen. Finsteraarhorn, Gross Grünhorn, Grosses Fiescherhorn oder der Mittellegigrat müssen noch etwas warten und auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden.