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Drei Viertausender im Berner Oberland

Auch dieses Jahr fand die Hochtour wieder gemeinsam mit der Sektion Erfurt Alpin statt. Ziel war die Besteigung des Finsteraarhorns (4274m),des Hinterfiescherhorns (4025m) und des Grossfiescherhorns (4049m) vom Grimselpass aus.

Bei einer Gruppengröße von 14 Mann ist es normal, dass das Niveau und der Anspruch an Kondition, Klettertechnik und Eiserfahrung genau wie das Alter einige Unterschiede aufweist. Die Erfurter stellten mit Noah (15) den jüngsten Teilnehmer, und mit Chris den Senior. Konrad, Stefan, und Franz komplettierten das Erfurter Team. Stephan Roth führte die Weimarer Christin, Julia, Ralf und Max an. Die Seilschaft von Uwe, mit Steffen, Annett und Sebastian, fuhr schon 2 Tage vorher in die Schweiz um sich zu akklimatisieren. Dies taten sie auf der Oberaarjochhütte, mit Besteigung vom Oberaarhorn, Spaltenbergungstraining und Eisausbildung. Die Erfurter hatten auf ihrer sehr sportlichen Akklimatisationstour mit Bishorn, Breithorn und Nadelhorn gleich drei 4000er zu bieten. Treffpunkt aller 3 Seilschaften war am Mittwoch, 12.7.2017 die Oberaarjochhütte in 3258m. Vom Grimselpass auf der Mautstraße zum Parkplatz Oberaarsee, und von dort aus 800hm zur Hütte müssen überwunden werden. Vom Parkplatz auf dem Wanderweg entlang des Sees erreicht man nach 1 Stunde den Oberaargletscher. Über diesen erst im Blankeis, später im Firn erreicht man nach 4-6 Stunden das Oberaarjoch und wenig später die Hütte. Von hier hat man einen wunderbaren Blick in die Walliser Alpen. Wie überall hat auch die Oberaarjochhütte mit dem Gletscherrückgang, auftauen des Permafrostbodens und Steinschlag zu kämpfen.

Am nächsten Morgen ging es dann bei herrlichem Wetter in den 3 Seilschaften (Annett hatte sich trotz ihrer Höhenprobleme entschlossen, mit zur Hütte umzusetzen, sonst hätte ja jemand wieder mit ihr zum Oberaarsee absteigen müssen) über Studergletscher und Galmigletscher hinunter zum Rotloch und dort über die Moräne auf den Fieschergletscher. Von hier den blanken Fieschergletscher mit sehr vielen großen Spalten hinauf zur Finsteraarhütte. Der alte ca 1 Stunde kürzere Weg über die Gemsschlicke ist wegen der Ausaperung nicht mehr zu begehen, da die ca 150m hohe Eisrinne kein Eis mehr hat sondern nur noch Steinschlag. Nach 5 Stunden gechilltem Marsch übers Eis hatten wir die Hütte erreicht. Mit Sachen trocknen, Ausrüstungscheck und einer Erkundungstour des morgigen ersten Teilabschnittes der Tour verbrachten wir den Rest des Tages. Wir ließen uns auf der Sonnenterrasse den vorzüglichen frischen Kuchen und eine Tasse Milchkaffee schmecken, abends dann die Tourenbesprechung. Fest steht, wenn jemand umdrehen muss, steigt Uwe (er war bereits 2012 auf dem Gipfel) mit ihm wieder ab und seine Seilschaft wird aufgeteilt. Stephan nimmt das Reserve- Halbseil im Rucksack für diesen Fall mit. Für Freitag ist bewölktes Wetter mit sonnigen Abschnitten angesagt, kein Gipfeltraum aber doch machbar.

So wird 4.00 Uhr gefrühstückt, dann setzen sich unsere 3 Seilschaften und 3 Franzosen in Bewegung. Anfangs den Wanderweg, dann die Steigeisen angelegt und anseilen, Stephan mischt uns durch, nimmt Annett in seine Seilschaft und gibt uns dafür den jungen Konrad . Es zieht zu, ein eisiger Wind pfeift, am Frühstücksplatz dann Nebel, Graupel, Eisregen, starker Wind, keine guten Voraussetzungen um genussvoll den Gipfelgrat zu klettern und die umliegenden Berge zu bestaunen. Hier dann die Entscheidung, da alles gute Felskletterer sind geht’s weiter. Annett macht die Höhe mehr zu schaffen als erhofft, in dieser Verfassung ist ein Gipfelerfolg für sie unwahrscheinlich, eher eine grobe Gefärdung ihrer Gesundheit, die geht vor. Also stiegen Uwe und Annett zu zweit mit dem Ersatzseil wieder zur Hütte ab. Für die anderen ging es in 3 Seilschaften, die von Chris, Stephan und Steffen geführt wurden, weiter zum Hugisattel. Von hier aus gingen die Seilschaften jeweils am laufenden Seil, mit ein paar Köpfelschlingen zwischengesichert, die ca 200hm hoch zum Gipfel. In 2er Kletterei erreichen sie ca eine Stunde später alle den Gipfel, leider im Nebel. Es reißt für Sekunden auf, jedenfalls nach oben. Dann geht die „Winterbesteigung“ mit dem Abstieg auf dem Aufstiegsweg weiter. Abends konnten sich alle freuen, die 12 Gipfelstürmer über ihren 4000er, Annett und Uwe sich, wieder gesund auf der Hütte zu sein und sich fit genug zu fühlen, um die morgige sehr lange Tour auf die Fiescherhörner mit zu gehen. Beim Abendessen genossen wir den herrlich frisch zubereiteten Salat besonders. Es ist eine tolle Hütte, Handy- Akku aufladen kostenlos, sauber und fließendes kaltes Wasser zum waschen.

Samstag wieder 4.00 Uhr Frühstück, blauer Himmel und ein eisiger Nordwind. Hartes Eis, so kamen wir gut auf dem Fieschergletscher voran. Atemberaubende Ein- und Ausblicke sollten uns beim durchsteigen des Eisbruchs erwarten. Alle 3 Seilschaften nahmen einen anderen Weg, alles sicher über Spaltenbrücken und Abbrüche. Zum Glück blieben die Seracs über uns oben! In immer noch trittfestem Firn oberhalb des Eisbruchs ging es in großen Schwüngen über riesige Spalten, fragile Brücken und um sie herum. In langsamem aber sicherem Tempo erreichten wir den Fieschersattel. Annett hatte sich erholt und einer Besteigung des Hinter Fiescherhorns (4025m) stand nichts mehr im Wege. Chris mit seinen jungen Wilden war bereits wieder unten und setzte zum Grossfiescherhorn (4049m) über. Stephan kam gerade vom Gipfel, als wir die Mulde (ca 20m unterhalb des Gipfels) erreicht hatten. Er übergab uns Christin in unsere Seilschaft, da sie sich nicht in der Lage fühlte, mit den anderen Jungen und Wilden noch das Grossfiescherhorn zu besteigen. Für 4000er Sammler schön, gleich 2 seperate Berge „abhaken „ zu können. Nach einer kurzen Pause nahmen auch wir die letzen Meter auf den Gipfel in Angriff. Sturm und eisige Kälte ließen uns dann auch nur kurz dort oben verweilen, dann gings wieder in die Mulde. Bei herrlichem Sonnenschein genossen wir den Abstieg, während die anderen 9 das Grossfiescherhorn bestiegen. Ich selbst wäre gern dabei gewesen, habe ich doch bereits 2 mal vergeblich versucht, es zu besteigen. Eine erneute Herausforderung dann wieder die Durchsteigung des Eisbruchs, die Brücken aufgeweicht, aber in der sehr disziplinierten 5er Seilschaft mit Uwe, Annett, Christin, Sebastian und Steffen hat es viel Spaß gemacht. Der weitere Weg den Fieschergletscher bis zur Hütte war trotz Sulzschnee, Matsch und vielen Spalten unproblematisch. Einige Zeit nach uns erreichten auch die „2x4000 Gipfelstürmer“ gesund die Hütte. Gemütlich ließen wir auf der Hütte den Tag ausklingen. Am nächsten Morgen ging es gemeinsam wieder runter zum Rotloch zum Gruppenfoto. Da einige Teilnehmer sofort weiter fahren wollten, spaltete sich die Truppe hier auf. Neue Seilschaften wurden gebildet, jeder ging sein Tempo. Jetzt ging es wieder den zerrissenen Galmigletscher, dann den Studergletscher bis zum Oberaarjoch hoch, dann den Oberaargletscher wieder runter bis zum See. Uwe bildete mit Annett und Christin die „Nachhut“. Auch sie erreichten am Nachmittag gesund den Parkplatz am Oberaarsee.

Menschlich hat es prima gepasst, sportlich haben alle zumindest einen 4000er bestiegen, manche nach ihren Möglichkeiten etwas mehr, alle sind gesund wieder unten und haben sich in einer grandiosen Natur Landschaft bewegen dürfen.

Vielen Dank an alle Teilnehmer für ihre Disziplin!

Bericht: Uwe Kersten